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Entscheiden ohne Aktionismus

Wie Tempo entsteht, das trägt.


Aktionismus und Hermdsärmeligkeit haben einen guten Ruf. Die Begriffe klingen nach Energie, nach Tatkraft, nach Führung. Wer handelt, wirkt präsent. Wer schnell reagiert, scheint Verantwortung zu übernehmen. Und wer viel tut, kann sich zumindest selbst versichern, dass er nicht untätig ist. Genau darin liegt ihre Verführung. Denn hemdsärmeliger Aktionismus zeichnet sich durch rasche Beschlüsse gefolgt von sofortigem Handeln aus. Das erzeugt Bewegung, aber selten Richtung.


Erstaunlich oft, lässt sich auch bei sehr reflektierten Führungskräften und Unternehmern, folgendes Muster erkennen: Es wird gearbeitet, priorisiert, umgebaut, neu sortiert. Meetings folgen auf Meetings, Entscheidungen werden vorbereitet, vertagt, wieder aufgenommen, schnell getroffen. Was dabei oft fehlt ist eine klare innere Festlegung. Eine Entscheidung, die wirklich trägt.


Bei sorgsam getroffenen Entscheidungen wird zunächst ein Weg festgelegt, beziehungsweise der Pfad bedacht, dem gefolgt werden will. Gedanklich, innerlich und mit allen Konsequenzen, die damit verbunden sind. Auch mit dem Wissen, dass andere Optionen damit bewusst ausgeschlossen werden. Genau dieser Moment ist anspruchsvoll. Er verlangt Reife, weil er Unsicherheit nicht durch Aktivität überdeckt, sondern aushält.


Aktionismus hingegen hält Optionen oft offen. Er beruhigt das eigene Gefühl von Kontrolle, schont das Ego und erzeugt den Eindruck von Tempo. Doch dieses Tempo ist fragil. Es kostet Energie, weil es ständig neu gerechtfertigt werden muss und es verpufft schnell, weil die Richtung fehlt, die Entscheidungen erst wirksam macht.


Wirksames Tempo fühlt sich anders an. Es ist ruhiger und weniger erklärungsbedürftig. Es entsteht, wenn Klarheit da ist, worum es jetzt wirklich geht, was entschieden ist und worauf sich das Handeln konzentriert. In solchen Momenten wird Geschwindigkeit fast nebensächlich, weil sich die Dinge von selbst fügen. Verantwortung ist geklärt, Prioritäten sind gesetzt, Diskussionen werden kürzer, weil sie ihren Platz gefunden haben.


Momentum entsteht durch Festlegung. Durch den bewussten Schritt, eine Richtung zu wählen und sie nicht bei der nächsten Irritation wieder infrage zu stellen. Das verlangt Mut, ja. Vor allem aber verlangt es Struktur im Denken und die Bereitschaft, sich selbst nicht ständig Ausweichbewegungen zu erlauben.

Vielleicht liegt genau hier der entscheidende Unterschied zwischen viel tun und wirksam handeln. Zwischen beschäftigt sein und führen. Zwischen Bewegung und Fortschritt.

Und vielleicht beginnt echtes Tempo genau dort, wo man aufhört, es erzwingen zu wollen.

 
 
 

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