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Aussitzen ist kein Gegenentwurf zu Aktionismus

Aktualisiert: 15. Jan.

Der letzte Blogbeitrag handelte vom Aktionismus. Dieser nun behandelt das Gegenextrem. Besonnenheit? Nein. Es geht ums Aussitzen. Das hat mit Besonnenheit wenig zu tun.


Während Aktionismus zumindest Bewegung erzeugt (hektisch, oft kurzsichtig, selten mit Richtung), entsteht beim Aussitzen nicht einmal das. Keine Bewegung, keine Richtung und schon gar kein Momentum. Nur Zeit, die vergeht, während Entscheidungen vertagt werden und alles bleibt, wie es ist. Doch auch das ist ein Trugschluss, denn nichts bleibt wie es ist. Frust kann wachsen und wenn das Umfeld an einem vorbeizieht während man etwas aussitzt, dann hat man eigentlich schon etwas verloren.

Aussitzen wirkt nach außen oft ruhig. Überlegt. Abwägend. Menschen, die dazu neigen, gelten als besonnen, politisch klug, strategisch denkend. Man schreibt ihnen Weitblick zu, manchmal sogar Souveränität. Und ja, es gibt Situationen, in denen Abwarten tatsächlich klug ist. Der Punkt ist nur: Nicht jedes Abwarten ist eine bewusste Entscheidung.


Oft steckt etwas anderes dahinter. Manchmal ist es ein sehr hohes Risikobewusstsein. Die Fähigkeit, mögliche Folgen früh zu erkennen, kann zur Stärke werden. Sie kann aber auch lähmen, wenn Risiken nur noch gesammelt, aber nicht mehr gewichtet werden. Dann wird Vorsicht zum Stillstand.

Manchmal ist es der Wunsch, nicht anzuecken. Entscheidungen schaffen Klarheit, aber sie schaffen auch Reibung. Wer festlegt, nimmt anderen Optionen. Wer Richtung vorgibt, wird angreifbar. Aussitzen vermeidet genau das. Es hält Beziehungen ruhig, Erwartungen diffus und Verantwortung in der Schwebe.

Und manchmal ist es schlicht Mutlosigkeit.


Entscheidungen verlangen, sich festzulegen, auch ohne Garantie. Sie verlangen, Unsicherheit auszuhalten, ohne sie hinter Aktivität oder Abwarten zu verstecken. Das ist anspruchsvoll. Und nicht jeder Moment fühlt sich dafür bereit an.


Aktionismus und Aussitzen haben deshalb mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Beide umgehen die eigentliche Festlegung. Der eine durch zu viel Tun, der andere durch bewusstes Nicht-Tun. In beiden Fällen bleibt die Entscheidungen aus, die an ein Ziel gebunden Momentum erzeugen.


Zwischen Hektik und Stillstand liegt der Weg bewusster Entscheidungen und gezielt gesetzter Handlungen. Der Weg der Gestaltung beginnt dort, wo jemand bereit ist, Verantwortung innerlich zu übernehmen, bevor sie nach außen sichtbar wird.


Manchmal reicht es, sich selbst zu fragen, ob man gerade hemdsärmelig handelt, abwartet oder bewusst entscheidet.

 
 
 

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